Saalkreisdinos on Tour

Glückliche Gesichter bei der Ankunft: Auch in diesem Jahr haben Andre Henze, Mario Kerzel, Hendrik Hahn, Veit Keller und Sven Voigtländer (von links) Geld für den guten Zweck gesammelt.

Foto: Privat

377 Kilometer für den guten Zweck

Für viele Fußballfans ist eine lange und anstrengende Anreise zu einem Heimspiel ein Szenario, das sie gern vermeiden würden. Für den guten Zweck brauchten Hendrik Hahn, Sven Voigtländer und Veit Keller vom Fanclub Saalkreisdinos sowie Andre Henze und Mario Kerzel vom Fanclub 1887 Halle/Saale für die letzte Heimpartie der Saison absichtlich 19 Stunden.

Text Florian Siggelkow

„Der Moment, wenn dein Vordermann ruft: ‚Noch fünf Kilometer bis zum Ziel!‘, das kann man gar nicht beschreiben“, erinnert sich Hendrik Hahn. Der HSV-Fan aus Landsberg bei Halle an der Saale ist Vorsitzender des HSV-Fanclubs Saalkreisdinos und organisiert seit fünf Jahren eine ganz besondere Fan-Aktion. Gemeinsam mit Freunden und Mitgliedern seines Fanclubs fährt er jedes Jahr mehrere Hundert Kilometer mit dem Fahrrad zum letzten HSV-Heimspiel der Saison. „Eigentlich wollte ich mal mit dem Tretboot über die Saale und die Elbe zu einem Heimspiel fahren“, erzählt der 57-Jährige. „Aber das ließ sich logistisch nicht umsetzen. Dann habe ich 2021 gesagt, dass ich gern mit dem Rad zu einem Spiel fahren würde, und mein Freund Micha hat spontan zugesagt.“ Und so nahm die Aktion 2022 ihren Lauf: Nach 353 Kilometern und vier Tagen war die erste Spendentour geschafft. „In den beiden Jahren zuvor haben wir für jeden Punkt, den der HSV in der Saison gesammelt hat, einen Euro gesammelt“, sagt Hahn, der seit 21 Jahren Mitglied im HSV ist. „Dann kam die Idee mit der Radtour, um etwas für den guten Zweck zu sammeln.“

„Eigentlich wollte ich mal mit dem Tretboot über die Saale und die Elbe zu einem Heimspiel fahren.“

Hendrik Hahn

7018,87 Euro für den guten Zweck: Sven Voigtländer, Veit Keller, Hendrik Hahn, Mario Kerzel und Andre Henze (von links) bei der Spendenübergabe.

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Seit sieben Jahren kommt die gesammelte Spendensumme dem Ambulanten Kinder- und Jugendhospiz Halle (AKJH) zugute. „Durch eine HSV-Aktion sind wir auf das Kinderhospiz Sternenbrücke aufmerksam geworden. Dann haben wir geschaut, wo es eine ähnliche Einrichtung in unserer Region gibt“, erzählt Hahn. Mittlerweile hat der Fanclub mehr als 21.500 Euro für die Einrichtung sammeln können. Bei der diesjährigen Aktion kamen 7018,87 Euro zusammen, die dem AKJH Anfang Juni überreicht wurden. „Für uns geht es dabei darum, Gutes zu tun und auf die Kinderhospizarbeit aufmerksam zu machen“, erklärt Hahn. Auch wenn das Spendenziel immer dasselbe ist, suchen sich Hahn und seine Mitstreiter für ihre Touren immer eine neue Challenge und Route. „Beim ersten Mal ging es darum, überhaupt erst mal die Strecke zu schaffen. Wenn man aber die ganze Zeit nur am Elbe-Kanal langfährt und nur Wasser sieht, macht das nicht besonders viel Spaß“, lacht Hahn. So kam die Idee, immer neue Routen und Mottos zu wählen. Bei der dritten Tour war das Ziel beispielsweise, zu viert in Anlehnung an das HSV-Gründungsjahr 1887 Streckenkilometer zu sammeln. Im vergangenen Jahr lag das Ziel darin, die Tour in 18,87 Stunden (18 Stunden und 52 Minuten) zu beenden. „Das war aber schon grenzwertig. Da mussten wir 140 Kilometer an einem Tag fahren. Normalerweise machen wir um die 100 bis 115“, erinnert sich Hahn. Immerhin wartete an diesem Abend mit dem Aufstiegsspiel des HSV gegen Ulm und einem fulminanten 6:1-Heimsieg eine ganz besondere Belohnung am Ende der Reise auf die Jungs von der Saale.

„Am schönsten sind aber eigentlich die Begegnungen unterwegs.“

Hendrik Hahn

Geduscht wird bei der Feuerwehr

In diesem Jahr war mit der Rückkehr in die Bundesliga und einem 3:2-Heimsieg gegen den Europa-League-Finalisten SC Freiburg ebenfalls für ein sportliches Highlight für die Reisegruppe am Ende der Etappe gesorgt. „Am schönsten sind aber eigentlich die Begegnungen unterwegs“, sagt Hahn. Auf ihren Touren besuchen die Saalkreisdinos immer wieder andere HSV-Fanclubs. Im vergangenen Jahr gab es beispielsweise einen Zwischenstopp beim OFC Schwarzwasser 1887. Der Verein unterstützt die Radtour seit dem ersten Jahr mit Spenden und hatte diesmal zum Mittagessen im Garten eingeladen. „Das war einer der schönsten Momente, als sie während des Essens eine Spende von über 500 Euro übergaben. Der OFC Schwarzwasser war 2022 der erste Fanclub, mit dem wir uns trafen, und der Kontakt hält seither“, erzählt Hahn.

Obwohl die Routen jedes Jahr anders sind, gibt es ein, zwei Traditionen, die sich eingespielt haben. „Wir machen immer ein Foto mit dem Hamburg-Schild, wenn wir die Stadtgrenze überqueren, und seit vier Jahren dürfen wir immer bei der Feuerwehr Stellingen duschen“, sagt Hahn mit einem Schmunzeln. „Damit wir nicht so riechen, wenn es ins Stadion geht.“ Auch wenn viele Hahn und seine Freunde auf der Reise freundlich unterstützen, wünscht er sich manchmal mehr Rückmeldung von anderen Fanclubs und Verbänden. Er habe seit Beginn mehr als 500 angeschrieben, aber nur wenige Antworten erhalten. Seine Motivation lässt er sich davon aber nicht nehmen. Im nächsten Jahr ist auf jeden Fall wieder eine Aktion geplant. „Wenn der 34. Spieltag zu Hause ist, dann sind wir wieder dabei. Aber ansonsten haben wir noch andere Ideen, was wir machen können.“ Zum vorletzten Spieltag sei eine Tour aufgrund der kurzfristigen Terminierung der DFL nach aktuellem Stand aber keine Option: „Das ist mit der Terminierung und der Organisation der Hotels einfach zu aufwendig und stressig.“ Im nächsten Jahr wollen die Saalkreisdinos auf jeden Fall wieder für den guten Zweck radeln. Ob sie dann wieder bei der Feuerwehr Stellingen einkehren, wird sich zeigen. Willkommen sind sie ganz sicher.

Dieses Foto darf auf keiner Tour fehlen: Hendrik Hahn mit Mario Weigt, Mario Kerzel und Michael Laubig vor dem Hamburger-Stadtschild bei der Tour im Mai 2023.

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