Endlich vor Anker
Die Barkasse ist da: Mit dem neuen Vereinsheim geht für viele HSVer:innen ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Alles beginnt mit einem Anruf und einem verfrühten Weihnachtsgeschenk.
Durch die bodentiefen Fenster im Foyer des HSV-Zentrums blickt man direkt in die hell erleuchtete Margit-Zinke-Halle hinunter. An diesem Dienstagnachmittag flitzen dort 40 bis 50 Kinder in einem optisch geordneten Chaos durch die abgetrennten Hallendrittel. Während die Jugend der HSV-Eishockeyabteilung mit vollem körperlichem und akustischem Einsatz ihrem Trockentraining nachgeht, rückt nur wenige Meter entfernt die fünfköpfige Abteilungsleitung des Supporters Clubs gemeinsam mit dem HSV-Präsidium in dem liebevoll „Stammtisch-Ecke“ genannten Bereich zusammen.
Prost! Die Abteilungsleitung des SC stößt mit Laura Ludwig (HSV-Vizepräsidentin) und Henrik Köncke (HSV-Präsident) auf die Barkasse an.
Foto: WItters
Frisch gezapftes Bier oder erfrischende Cola in der Hand, auf dem Tisch liegen passend sieben blau-weiß-schwarze Bierdeckel. Von der Decke fällt warmes Licht, und hinter ihnen grüßen die HSV-Ikonen Uwe Seeler, Jimmy Hartwig und Kevin Keegan von den dunkelblauen Wänden. Gleich werden sie auf diesen historischen Tag und einen großen Erfolg anstoßen. Denn dass sie hier in unmittelbarer Nähe des sportlichen Betriebs zusammenkommen und von ihrem Platz aus fast die Rollen der Skates auf dem Hallenboden klackern hören können, ist nichts weniger als HSV-Historie. Um zu verstehen, warum dieser Moment so besonders ist, lohnt sich ein Blick zurück.
Im Dezember 2023 erhält Simon Philipps einen Anruf von Kumar Tschana. Der Geschäftsführer des HSV e.V. hat gerade mit seinem Kollegen Hermann Schulz, der die Infrastrukturprojekte des HSV koordiniert, einen Rundgang durch die damalige Eishalle am Volkspark unternommen und anschließend die Nummer von Philipps gewählt. Dieser sitzt seit 2021 in der Abteilungsleitung des Supporters Clubs und darf sich an diesem Dezembertag auf ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk freuen: Es gebe vielleicht endlich eine Lösung für das lang ersehnte Vereinsheim, erzählt Tschana am Telefon. Und das direkt am Volksparkstadion. Philipps’ Herz schlägt höher. Seit 1997 hatte der HSV kein richtiges Vereinsheim mehr, schon gar nicht in Stadionnähe. Nun gibt es vielleicht endlich eine Lösung.
Rund 130 Gäste finden in der Barkasse Platz.
Foto: Witters
Die Barkasse ist ab sofort als Vereinsheim des HSV im Betrieb.
Foto: HSV
Anfang 2024 stellt das HSV-Präsidium der Mitgliedschaft erstmals die Pläne für eine Übernahme der Eishalle vor. In den kommenden Monaten folgen intensive Planungen und Absprachen über die zukünftige Ausgestaltung der Halle, und nach umfangreicher Abstimmung übernimmt der HSV e.V. die Arena im Volkspark zum 1. November von der Alexander Otto Sportstiftung.
Zweieinhalb Jahre nach dem Anruf steht Philipps inmitten des Raumes, in dem er eben noch angestoßen hat, und blickt in die Runde der geladenen Gäste. Wegbegleitende, Fördernde und Mitgestaltende des Projekts haben sich an diesem Abend in den Räumlichkeiten des Vereinsheims versammelt und hören ihm sowie HSV-Präsident Henrik Köncke gespannt zu. Mit Mikrofon in der Hand erinnert sich Philipps an das erste Gespräch im Dezember 2023 und daran, wie er vor lauter Vorfreude im Anschluss eine zehnminütige Sprachmemo mit Ideen verfasste. Er erzählt von den Planungen und davon, was die Fertigstellung dieses Projekts eigentlich für den HSV und seine Fans bedeutet: „Das ist einer der größten Erfolge des SC überhaupt!“
Doch bis zu diesem Erfolg war es ein intensiver Weg. Die Bauarbeiten begannen vor genau zehn Monaten. Nachdem die Stadt die Bauanträge bewilligt hatte, begannen Hammer und Bohrmaschine ihre Arbeit. Während die mit Fördergeldern der HSV-Campus gGmbH modernisierte Dreifeldhalle den Namen Margit-Zinke-Halle erhielt und im Februar 2026 eröffnet wurde, vollzog der obere Bereich eine Metamorphose. Tag für Tag verwandelte sich der ehemalige Gastronomiebereich der Eishalle in etwas völlig Neues. Wo einst eine gewöhnliche Sporthallengastronomie untergebracht war, entstand allmählich ein Treffpunkt für HSV-Mitglieder und Fans.
Besonderer Tag: Simon Philipps (rechts) und Henrik Köncke (links) sprechen zur Einweihung der Barkasse vor den geladenen Gästen.
Foto: Witters
Im Umbau: Die Räumlichkeiten wurden für die Barkasse grundlegend erneuert, inklusiver neuer Küche.
Foto: HSV
Im Hintergrund liefen die Abstimmungen auf Hochtouren. In einer Arbeitsgruppe, die sich aus Gremien, Hauptamtlichen und Vertreter:innen der Fanszene zusammensetzte, wurde über die zukünftige Nutzung der Räumlichkeiten abgestimmt. „Wie soll das Innere mit Leben gefüllt werden?“, „Welche Bilder, sollen wo hängen?“ und „Wie soll das Vereinsheim eigentlich zukünftig heißen?“. Auf letztere Frage gab es bald eine Antwort: Barkasse. Ein Name mit Bezug zum Hafen und zu Hamburg und dem Charme einer alten Eckkneipe. Genau passend für das zukünftige Vereinsheim. „Von Anfang an war uns wichtig, dass diejenigen mitgestalten, die das Vereinsheim später nutzen werden. Deshalb haben wir eng mit Vertretenden des Supporters Clubs und der Fanszene zusammengearbeitet. Viele ihrer Anregungen sind unmittelbar eingeflossen. So ist ein Vereinsheim entstanden, das die unterschiedlichen Blickwinkel unserer Mitglieder aufgreift und zu einem Anlaufpunkt für uns alle wird“, resümiert Köncke die Abstimmungen.
Im Planungsprozess konnte ebenfalls frühzeitig eine Pächterin für das Vereinsheim gewonnen werden. Antonia Hellings, die selbst HSV-Mitglied ist und schon oft das Volksparkstadion besucht hat, wird mit ihrem Team die Barkasse künftig bewirten. Unter der Woche wird es einen Mittagstisch mit Hausmannskost, aber auch wechselnden Gerichten wie Curry oder Scampi-Pasta geben. Am Wochenende können die HSV-Spiele live auf den sieben Bildschirmen verfolgt werden, begleitet von frisch gezapftem Bier, Currywurst, Pommes oder Caesar Salad. „Wir sind dem HSV seit Kindheitstagen sehr verbunden und freuen uns, dieses Projekt nun mitzugestalten“, sagt Hellings.
Doch die Barkasse soll mehr sein als nur ein Ort für Mittagstisch und Fußballkneipe: HSV-Mitglieder und Fans dürfen sich auf einen Ort freuen, der Begegnungsstätte wird, für private Veranstaltungen genutzt werden kann und in dem Events für und von HSV-Mitgliedern stattfinden können. „Wir sind überzeugt: Sie wird Ideenschmiede, Werkstatt und Motor des Vereins der Zukunft sein“, sagt Philipps.
An der Stickerwand können sich HSV-Fans verewigen.
Foto: HSV
Antonia Hellings ist selbst HSV-Mitglied und die Pächterin der Barkasse.
Foto: WItters
Am 6. September ist dann endlich der Tag der Tage gekommen. Gegen 13 Uhr tummeln sich rund 500 Personen auf dem Vorplatz der Barkasse. Auf dem Grill brutzeln die Bratwürste, das Bier läuft schäumend aus den Zapfhähnen und durch den Innenbereich schlängeln sich interessierte HSVer:innen, betrachten die Bilder, Poster und Trikots an den Wänden und verewigen sich mit Aufklebern ihrer Fanclubs an der Stickerwand. Nach zehn Monaten öffnet die Barkasse ihre Türen und wird im Laufe des Septembers in den vollen Betrieb mit Mittagstisch und Live-Fußball einsteigen.
Erste Einblicke: Beim Heimspiel gegen Mainz 05 durften erstmals Fans und Mitglieder in die Barkasse.
Foto: Matthias Scharf
„Es ist ein Meilenstein für den HSV“, betont Philipps und Köncke stimmt zu, als sie drei Tage zuvor die vergangenen Monate Revue passieren lassen. Fast dreißig Jahre, nachdem das letzte Vereinsheim seine Türen schloss, besitzt der HSV wieder einen Ort, an dem Mitglieder, Fans, Sportler:innen und Ehrenamtliche zusammenkommen können. Einen Ort zum Diskutieren, zum Feiern und zum Mitgestalten. Die Barkasse hat ihren Anlegeplatz gefunden. Jetzt beginnt ihre eigentliche Reise.
Getränkerabatt für HSV Supporters Trust-Mitglieder
Mitglieder des HSV Supporters Trust erhalten in der Barkasse bei allen Bundesliga-Heimspielen der HSV-Fußballer Rabatt auf alle Getränke. Pro Getränk gibt es 50 Cent Rabatt.